Ost-West-Kompositionen
Shen Yun Performing Arts
12. November 2010

Allerorts fällt dem Publikum bei der Darbietung von Shen Yun als etwas Einzigartiges das Orchester auf, das das Beste aus Ost und West kombiniert. Das gesamte klassische westliche Orchester liefert Energie und Pracht, während die chinesischen Instrumente eine deutliche Note der mehrtausendjährigen chinesischen Kultur setzen.

Wie komponieren die Shen Yun-Komponisten Partituren, die die so verschiedenen Instrumente so harmonisch zusammenbringen?

Hier lassen wir die Komponisten von Shen Yun  zu Wort kommen, die von Anfang an bei dem Ensemble tätig sind und dutzende von Werken komponiert haben.


Frage: Wie machen Sie sich die Charakteristika der westlichen und chinesischen Instrumente in Ihren Kompositionen zunutze?

TJY

Junyi Tan: Eines der ausgeprägtesten Merkmale der Shen Yun-Kompositionen ist, dass die Quintessenz aus diesen beiden großartigen Musiktraditionen zum Vorschein kommt und gleichzeitig ein vereinigtes Thema präsentiert wird. Beim Arrangieren der Musik wende ich meist die westlichen Gestaltungstechniken an. Gleichzeitig müssen jedoch die Komposition und die Empfindung der Melodie abgestimmt sein mit den einzigartigen Eigenschaften der chinesischen Musik.

Die Tänze von Shen Yun drehen sich um den klassischen chinesischen Tanz und ethnische Tänze und die Musik wird für die Tänze maßgeschneidert. Wenn wir die Musik für verschiedene Tanzstücke schreiben, müssen wir vollkommen einschätzen können, wie die lokalen Merkmale und das lokale Bukett am besten widerhallen. Um den ethnischen Stil und die Merkmale genau richtig hinzubekommen, gibt es nichts Besseres als die Verwendung der alten chinesischen Instrumente wie Dizi, Erhu, Pipa usw.

Die Musik wird so bearbeitet, dass die westlichen Blasinstrumente und Saiteninstrumente als Begleitung dienen und die chinesischen Instrumente die führende Melodie spielen. Natürlich werden bei einem Crescendo auch die einzigartigen Qualitäten der Blas- und Saiteninstrumente zum Vorschein kommen.


Frage: Was sind die Unterschiede bei den Merkmalen der traditionellen chinesischen und den westlichen Instrumente?

JX

Jing Xuan: Die klassische chinesische Musik hat den gleichen Ursprung wie die anderen traditionellen Kunstformen Chinas. Ob es sich nun um den Arbeitsablauf des Instrumentenbaus oder die Eigenschaft ihrer Klangfarbe handelt, alle diese Dinge haben eine tiefgründige innere Bedeutung und eine reichhaltige Symbolik.

Die Pipa beispielsweise ist drei Chi fünf Cun hoch (etwa 1,15 Meter). Die ‚drei‘ symbolisiert Himmel, Erde und Mensch; die ‚fünf‘ symbolisiert die fünf Elemente der chinesischen Philosophie Metall, Holz, Wasser, Feuer und Erde. Dann hat sie außerdem vier Saiten, die die vier Jahreszeiten symbolisieren.

Ein weiteres Beispiel ist die Paarbildung von Flöte und Pipe, die oft zusammen gespielt werden. Dahinter verbirgt sich das Konzept des glückverheißenden Paares von Drachen und Phoenix. Die Flöte symbolisiert den Drachen und die Pipe den Phönix.

Die Einteilung der Instrumente in Klassen ist auch unterschiedlich. Westliche Instrumente werden eingeteilt nach der Art und Weise, wie sie gespielt werden – Saiten, Percussion, Blech-, Holzbläser. Chinesische Instrumente werden eingeteilt nach ihrer Klangfarbe und dem Material, aus dem sie hergestellt sind.

Im alten China waren die Instrumente in acht Gruppen unterteilt: Metall, Stein, Erde, Leder, Seide, Holz, Kürbis, Bambus. Diese waren als die „acht Klänge“ bekannt und das war das früheste  Einteilungssystem. Beispielsweise gehörte zum „Metallklang“ das Bian Zhong (ein altes Instrument mit 16 Glocken). Zum „Lederklang“ wurden die Trommeln gezählt, zu „Seidenklang“ Instrumente, die ursprünglich wie die Zither Seidensaiten verwendeten. Zum „Bambusklang“ gehörten verschieden Arten von Flöten usw.

Die Klangfarbenqualität der chinesischen Instrumente steht in enger Verbindung zur chinesischen Philosophie. Die traditionelle chinesische Kultur betont, dass alle Dinge von Geist erfüllt sind. Auf die chinesische Musik bezogen bedeutet dies, dass jede Note lebendig ist.

Da chinesische Musik und chinesischer Tanz den gleichen Ursprung haben, werden der Rhythmus, der bei jeder Tanzbewegung in den Pausen gegenwärtig ist, und die Pausen zwischen den einzelnen Musiknoten, also diese Abstände nicht einfach übersprungen, sondern da gibt es eine Entwicklung. Und man kann dies an den besonderen Spieltechniken der verschiedenen chinesischen Instrumente sehen – wie die Gleit-Wisch-Note der Erhu oder das Schieben und Ziehen der Pipa – einen sanften Portamento-Effekt geschaffen. Dies ist Teil der Seele der chinesischen Musik.

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